Abstract
Zeitnot ist ein weitverbreitetes gesellschaftliches Phänomen. Umfragen aus verschiedenen Ländern bestätigen dieses Bild: Viele Menschen leiden unter Zeitmangel und fühlen sich oft gehetzt (Deutschland: Statista 2021, Österreich: Statistik Aus-tria 2011, UK: Southerton 2003). Eine im Februar 2020 von den Autorinnen durchgeführte repräsentative Umfrage gestattet einen Einblick in den Status quo der zeitbezogenen Lebens-situation in Deutschland vor der Pandemie. Für die Umfrage wurden etwas mehr als 2.000 Menschen u. a. gefragt, wofür sie eine zusätzliche Stunde pro Tag verwenden würden. Das Stim-mungsbild, das sich beim Auszählen der Antworten ergab, zeigt v. a. drei Bereiche, in denen sich die Zeitnot manifestiert. Zum einen wurde das Bedürfnis nach Regeneration thematisiert: schlafen, ausruhen, entspannen und weitere Synonyme wie chillen oder relaxen wurden am häufigsten genannt. An nächster Stel-le wurden lesen, verschiedene Hobbys oder Sport genannt, also Freizeitbeschäftigungen, für die keine direkte Verwertungslo-gik gilt. Der dritte große Bereich, der in der Lebensgestaltung vor Corona offensichtlich zu kurz kam, sind soziale Beziehun-gen; so nannten die Befragten am dritthäufigsten die Begriffe Familie, Freund*innen, Kinder und Beziehung (Gerold und Geiger 2020)...